Im Planungsausschuss des Kreistages fragte Kreistagsmitglied Everhard Hüseman (GRÜNE) in der Sitzung vom 21. Januar 2026 an, wie viele Anträge zum Bau von Ställen für Legehennen und Hähnchenmast dem Bauamt aktuell vorliegen. Nun liegt die Antwort der Verwaltung vor:
Aktuell liegen Anträge für 25 Legehennenställe (500.000 Legehennen) sowie 15 Hähnchenmastställe (750.000 Tiere) vor – das wäre ein steiler Anstieg der Produktionskapazitäten in der Grafschaft, ausgelöst durch Verwerfungen am Eier- und Geflügelfleischmarkt, die eine wahre Goldgräberstimmung haben ausbrechen lassen. Ähnliche Entwicklungen werden aus dem Emsland berichtet.
Welche Folgen hätte solch ein Ausbau für die Grafschaft und die Grafschafter?
Umwelt, Landschaft und Verkehr: „Die Folgen für unsere Region werden erheblich sein“, ist Valentin Drechsler, Kreissprecher der Grünen, überzeugt. „Bereits jetzt ist die Viehdichte in der Grafschaft sehr hoch. Es ist damit zu rechnen, dass viele Bauvorhaben abseits der Höfe in der freien Landschaft umgesetzt werden.“ Sprecherkollegin Sarah Gross ergänzt: „Teile der freien Landschaft werden quasi zum Industriegebiet mit kontinuierlichem LKW-Schwerlastverkehr. Schließlich muss Futter angeliefert und Eier und Schlachtvieh, aber auch der anfallende Nährstoffüberschuss müssen abtransportiert werden.“ Der dadurch ausgelöste Schwerverkehr wird um jährlich ca. 10.000 LKW-Fahrten zunehmen, wie ein Branchenkenner ausgerechnet hat. „Die weitere Konzentration als Geflügelschwerpunktregion erhöht das Risiko für Großschadensfälle durch die Vogelgrippe“, befürchtet Drechsler.
Eine Vielzahl der Anträge ist zudem so verfasst, dass sie um genau ein Tier unterhalb der Grenze zur verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfung bleiben. Wenn 40 Anträge gleichzeitig gestellt werden, so ist sich der Kreisvorstand einig, könne auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung keinesfalls verzichtet werden. Er fordert deshalb den Landkreis auf, eine Überblicksbewertung vorzunehmen. Außerdem fordert er die Kommunen auf, eine Bauleitplanung zur Steuerung dieser Entwicklung einzuleiten. „Die Bevölkerung sollte dieser Entwicklung nicht hilflos zuschauen müssen“, betonen Gross und Drechsler. „Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung, der Tierschutz, aber auch Auswirkungen auf Verkehr, Landschaftsbild und den Tourismus in der Grafschaft – all diese öffentlichen Güter müssen mit den Wachstumsinteressen von Landwirten abgewogen werden“, sind sich beide einig.