Klima- und Umweltschutz gehören zu den wichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Die Folgen der Klimakrise, der Verlust der Artenvielfalt und die Belastung natürlicher Ressourcen sind längst auch in der Grafschaft Bentheim spürbar. Hitze, Trockenheit, Starkregenereignisse, sinkende Grundwasserstände und der Rückgang heimischer Arten zeigen, wie dringend wir handeln müssen.
Gleichzeitig haben wir starke Grundlagen: engagierte Umweltverbände, erfolgreiche Projekte wie den „Niedersächsischen Weg“, aktive Bürger:innen, eine vielfältige Landwirtschaft und große Potenziale im Bereich erneuerbare Energien. Auf dieser Basis wollen wir Klima-, Natur- und Artenschutz konsequent und gemeinsam voranbringen.
Unser Ziel ist eine Grafschaft, die ihre natürlichen Lebensgrundlagen schützt, Ressourcen verantwortungsvoll nutzt und den Weg in eine klimaneutrale Zukunft fair, sozial und wirtschaftlich klug gestaltet.
1.1 Natur- und Artenschutz stärken – Lebensräume sichern
Der Verlust der Artenvielfalt gehört zu den größten ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Auch in der Grafschaft Bentheim sind viele Tier- und Pflanzenarten bedroht. Mit dem „Niedersächsischen Weg“ wurden wichtige Vereinbarungen geschaffen, die Naturschutz, Landwirtschaft und Politik gemeinsam tragen. Jetzt kommt es darauf an, diese Ziele vor Ort engagiert umzusetzen.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir reduzieren den Landschaftsverbrauch und stärken Innenentwicklung statt neuer Flächenversiegelung.
- Wir setzen das Biotopverbundsystem in der gesamten Grafschaft konsequent um.
- Wir fördern privates Engagement für eine umweltfreundliche und insbesondere biodiversitätsorientierte Nutzung unserer Landschaft innerhalb und außerhalb unserer Siedlungen.
- Wir stärken den Schutz von Wallhecken, Hecken, Feldgehölzen, Fließgewässern, Kleingewässern und Feldrainen.
- Wir qualifizieren Naturschutzverwaltung, Ökologische Station und Ranger:innen personell und fachlich weiter.
- Wir unterstützen das ehrenamtliche Engagement der anerkannten Natur- und Umweltschutzverbände.
Artenvielfalt sichert funktionierende Ökosysteme und damit unsere Lebensgrundlagen. Wir wollen den Verbrauch von Freiflächen deutlich reduzieren und innerörtliche Potenziale besser nutzen – insbesondere bereits versiegelte oder brachliegende Bereiche. Ein durchgängiger Biotopverbund stärkt Lebensräume für Pflanzen und Tiere und macht Landschaften widerstandsfähiger gegen Klimafolgen. Lebensräume wie Wallhecken, Hecken oder Kleingewässer prägen unsere Landschaft und bieten wertvolle Rückzugsorte für Tiere und Pflanzen. Wir wollen ihren Schutz verbessern und Pflegeprogramme ausbauen. Gleichzeitig stärken wir die Arbeit der Ökologischen Station,Ranger:innen und Naturschutzbehörden, damit Schutzgebiete und Projekte verlässlich betreut werden. Ehrenamtliche Naturschutzarbeit ist unverzichtbar – wir sichern sie durch Förderung, gute Zusammenarbeit und verlässliche Unterstützung.
1.2 Wasser, Boden und Landschaft schützen – Ressourcen bewahren
Wasser ist eine der zentralen Ressourcen der Grafschaft Bentheim. Sinkende Grundwasserstände, trockene Sommer und zunehmende Extremwetter machen deutlich: Wir müssen Wasser schützen und besser zurückhalten. Auch Moore und andere offene Landschaften spielen eine wichtige Rolle im Klima- und Naturschutz.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir schützen Trinkwasser und Grundwasser durch klare Regeln für Wasserentnahme.
- Wir schaffen weitere Überflutungsflächen und Polder zur Hochwasservorsorge.
- Wir sichern Versickerungsflächen in Bebauungsplänen für Starkregenereignisse.
- Wir erhalten Moore als wichtige Kohlenstoffspeicher durch Wiedervernässung (und wo möglich durch Regeneration).
- Wir fördern eine wassersparende Bewirtschaftung in der Landwirtschaft.
Die Wasserentnahme durch Industrie, Landwirtschaft und kommunale Wasserwerke braucht klare, zukunftsfeste Regeln. Wir wollen Grundwasserstände stabilisieren und sicherstellen, dass Trinkwasserqualität und -verfügbarkeit langfristig gewährleistet sind.
In der Grafschaft Bentheim ist die Nitratbelastung ein anhaltendes Problem. Messungen zeigen, dass in privaten Hausbrunnen wie in Esche (175 mg/l), Lohne (146 mg/l), Hoogstede (86 mg/l) und Wietmarschen (75 mg/l) der Grenzwert von 50 mg/l Nitrat überschritten wird. Wasserversorger in Itterbeck, Aalde und Förderbrunnen liegen scharf an der Grenze und müssen filtern. Im oberflächennahen Bereich sind Verbesserungen sichtbar, aber private Brunnen bleiben belastet.
Intensive Landwirtschaft trägt wesentlich zur Nitratbelastung bei: Hohe Viehdichten, Gülle und Mineraldünger führen zu Stickstoffüberschüssen, die mit Regenwasser ins Grundwasser gelangen. Folgen sind unbrauchbare Brunnen, höhere Aufbereitungskosten und Gefährdung von Gewässern und Artenvielfalt. Daher streben wir die Reduktion der Tierbestände in stark belasteten Regionen an, um Güllemengen und Nitratinträge zu senken; sorgen für eine Konsequente Umsetzung der Düngevorschriften aus der Düngeverordnung; wollen den Mineraldüngereinsatz verringern, die Düngerverwertung verbessern und den ökologischen Landbau ausbauen; fordern eine Verpflichtung zu Zwischenfrüchten und winterlicher Begrünung auf Ackerflächen; fördern Agroforstsysteme zur Nitratbindung und - schließlich - richten wir ein flächendeckendes Nitrat-Monitoring durch Landkreis, Behörden und Umweltverbände ein. Nur so begrenzen wir Stickstoffüberschüsse und schützen unser Grundwasser langfristig.
Um Überschwemmungen vorzubeugen, schafft der Landkreis Überflutungsflächen und Polder – besonders im Bereich von Dinkel und Vechte. In Bebauungsplänen sollen Versickerungs- und Rückhalteflächen verpflichtend berücksichtigt werden. Moore sind wertvolle Kohlenstoffspeicher und Lebensräume. Durch Wiedervernässung (und wo möglich durch Regeneration) tragen wir aktiv zum Klimaschutz bei und erhöhen die Widerstandsfähigkeit von Landschaften gegen Trockenheit.
Generell sollen landwirtschaftliche Flächen so bewirtschaftet werden, dass Wasser länger in der Fläche gehalten wird und der Bewässerungsdruck sinkt.
1.3 Klimaschutz – lokale Verantwortung übernehmen
Die Klimakrise ist längst Realität. Hitze, Dürren, Starkregen mit Überflutungen und Stürme gefährden Gesundheit, Infrastruktur und Wirtschaft. Klimaschutz ist deshalb auch eine soziale Frage – denn besonders stark betroffen sind Menschen mit geringen Einkommen und ältere Menschen.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir führen einen Klimavorbehalt für politische Entscheidungen ein.
- Wir sanieren kreiseigene Gebäude konsequent energetisch.
- Wir reduzieren Treibhausgasemissionen in allen Bereichen des Landkreises.
- Wir stärken Prävention und Klimaanpassung.
- Wir gestalten Klimaschutz sozial gerecht.
Jede politische Maßnahme muss künftig auf ihre Klimawirkung geprüft werden. Ein Klimavorbehalt stellt sicher, dass Entscheidungen nicht zu schlechteren CO₂-Bilanzen führen. Der kommunale Energiebericht bietet dafür eine wichtige Grundlage.
Energetische Sanierungen kreiseigener Gebäude senken langfristig Kosten und verbessern die Klimabilanz. Gleichzeitig wollen wir Maßnahmen zur Klimaanpassung stärken: Schattenstrukturen, Fassadenbegrünung, Entsiegelungsmaßnahmen, Grünflächenerweiterungen und eine aktive Prävention vor Hitzefolgen.
Klimaschutz darf niemanden überfordern – deshalb setzen wir uns für sozial gerechte Entlastungen ein, etwa bei Energiekosten oder bei der Umstellung auf klimafreundliche Wärme.
1.4 Energiewende – regional, fair und naturverträglich
Die Energiewende ist zentral für Klimaschutz und Versorgungssicherheit. Windenergie und Photovoltaik bieten große Chancen – müssen aber naturverträglich, fair und gemeinsam mit den Bürger:innen umgesetzt werden.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir planen Flächen für Windenergie natur- und artenschutzgerecht.
- Wir unterstützen Bürgerenergieprojekte und lokale Beteiligung.
- Wir nutzen alle geeigneten Dächer und Parkplätze für Photovoltaik.
- Wir priorisieren PV auf versiegelten Flächen.
- Wir prüfen gewissenhaft die Errichtung von PV auf Freiflächen unter Natur- und Artenschutzaspekten.
Bei der Windkraftnutzung haben Kriterien des Arten- und Lebensraumschutzes Vorrang – insbesondere in schützenswerten Wiesenvogelgebieten und in Wäldern. Gleichzeitig wollen wir Bürgerenergiegenossenschaften stärken, damit Menschen vor Ort direkt profitieren.
Der Ausbau der Photovoltaik soll vorrangig auf Dächern und versiegelten Flächen erfolgen. Kreisgebäude und ihre Parkplätze sollen vollständig mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Freiflächen-PV ist nur dort sinnvoll, wo Natur- und Artenschutz gewährleistet ist.
1.5 Zukunft der Wärmeversorgung – klimaneutral und bezahlbar
Bis spätestens 2045 muss die Wärmeversorgung klimaneutral sein. Kommunen stehen vor der Aufgabe, Nah- und Fernwärmenetze zu entwickeln und Bürger:innen beim Umstieg zu unterstützen.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir unterstützen Kommunen bei der kommunalen Wärmeplanung.
- Wir fördern Nah- und Fernwärmelösungen, wo sie wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll sind.
- Wir bieten unabhängige Energieberatung für Haushalte außerhalb von Wärmenetzen.
- Wir stärken den Umstieg auf nachhaltige Wärmeerzeugung.
Die kommunale Wärmeplanung wird entscheiden, wo individuelle Heizungen weiterhin sinnvoll sind und wo Wärmenetze entstehen sollten. Der Landkreis begleitet diesen Prozess aktiv und unterstützt Kommunen beim Aufbau klimafreundlicher Systeme.
Für Haushalte ohne Anschlussmöglichkeiten wollen wir kostengünstige und unabhängige Energieberatung anbieten. So ermöglichen wir allen Menschen eine planbare und faire Umstellung auf klimafreundliche Wärme.
1.6 Nachhaltige Landwirtschaft und Tierwohl – gemeinsam weiterentwickeln
Die Landwirtschaft prägt die Grafschaft Bentheim – ökologisch, kulturell und wirtschaftlich. Viele Betriebe stehen jedoch unter hohem ökonomischem Druck und müssen gleichzeitig den steigenden Anforderungen an Umwelt-, Arten- und Klimaschutz gerecht werden.
Wir wollen diesen Wandel aktiv begleiten und langfristig sichere Perspektiven schaffen. Gleichzeitig ist uns der verantwortungsvolle Umgang mit Tieren ein wichtiges Anliegen. Tierwohl gehört für uns untrennbar zu einer nachhaltigen Landwirtschaft. Kommunen tragen zudem Verantwortung für Tierheime, Tierschutzkontrollen und klare Regeln im Umgang mit Haustieren.
Unser Ziel ist ein harmonisches Zusammenspiel von Landwirtschaft, Natur, Tierwohl und gesellschaftlichen Erwartungen.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir erhöhen den Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen in der Grafschaft Bentheim.
- Wir verpachten kreiseigene landwirtschaftliche Flächen ausschließlich nach Ökolandbaustandards.
- Wir fördern Stallumbauten hin zu „weniger Tieren – mehr Tierwohl“ statt immer neuer Großanlagen.
- Wir fordern in allen Gemeinden Bauleitplanungen, um Stallneubauten an bestehenden Höfen zu ermöglichen und in der freien Feldflur zu vermeiden.
- Wir schützen wertvolle Eschböden vor Versiegelung durch Gewerbe- und Siedlungsentwicklung.
- Wir unterstützen Betriebe beim Umstieg auf wassersparende Bewirtschaftung und stärken Maßnahmen zur Wasserhaltefähigkeit der Böden.
- Wir sichern Tierschutzkontrollen durch ausreichend Personal und klare Zuständigkeiten.
Eine zukunftsfähige Landwirtschaft schützt Klima, Böden, Wasser und Artenvielfalt – und bleibt wirtschaftlich tragfähig. Der ökologische Landbau leistet hierzu einen zentralen Beitrag, etwa durch den Verzicht auf Pestizide und synthetische Dünger. Wir wollen deshalb die Absatzmöglichkeiten für regionale Bio-Produkte stärken, unter anderem durch den verstärkten Einsatz ökologischer Lebensmittel in Kitas, Schulen, Kantinen und kreiseigenen Einrichtungen.
Kreiseigene landwirtschaftliche Flächen sollen bei Neuverpachtung ausschließlich ökologisch bewirtschaftet werden. So setzen wir ein deutliches Signal für mehr Nachhaltigkeit. Wir unterstützen Betriebe beim Umbau durch Beratungsangebote: Der Weg zu mehr Tierwohl führt über bessere Haltungsbedingungen geringere Tierzahlen und eine Umstellung bestehender Anlagen statt immer mehr Stallneubauten.
Eschböden sind ökologisch wertvolle Kulturlandschaften, die nicht weiter bebaut oder versiegelt werden dürfen. Auch im Umgang mit Wasser trägt die Landwirtschaft eine wichtige Rolle: Oberflächenwasser muss länger zurückgehalten werden, um den steigenden Beregnungsbedarf abzufedern und die Resilienz gegenüber Trockenperioden zu erhöhen.
Tierschutz ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Wir setzen uns dafür ein, dass Kontrollen verlässlich durchgeführt werden können und Behörden personell so ausgestattet sind, dass Missstände konsequent verfolgt werden. Tierheime übernehmen wichtige Aufgaben bei Fundtieren und eingezogenen Tieren – diese Arbeit muss vollständig und verlässlich aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, ohne Abhängigkeit von Spenden für Pflichtaufgaben.
Auch der Umgang mit Haustieren gehört zu einer verantwortungsvollen Tierschutzpolitik. Eine verpflichtende Katzenkastration verhindert unkontrollierte Vermehrung und Tierleid. Hundefreilaufflächen schaffen sichere Orte für Bewegung und Entlastung im Alltag vieler Hundebesitzer:innen. Eine ermäßigte Hundesteuer für aus Tierheimen adoptierte Hunde entlastet sowohl die Tierheime als auch die Kommunen und unterstützt ein gutes Zusammenleben von Mensch und Tier.
Unser Ziel ist eine Landwirtschaft, die Natur und Klima schützt, wirtschaftlich tragfähig bleibt und Tierwohl ernst nimmt – sowie ein konsequent umgesetzter, kommunaler Tierschutz, der Verantwortung übernimmt und verlässlich handelt.
1.7 Umwelt- und Gesundheitsrisiken minimieren – konsequent handeln
Einige Umweltbelastungen beeinträchtigen die Lebensqualität in der Grafschaft Bentheim erheblich – etwa der Militärfluglärm der Nordhorn-Range oder Risiken im Umfeld atomarer Anlagen.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir fordern die Schließung der Nordhorn-Range.
- Wir setzen uns ein für einen vollständigen Atomausstieg in der Region.
- Wir lehnen eine Beteiligung des russischen ROSATOM an der Brennelementproduktion ab.
- Wir schützen Gesundheit und Umwelt vor vermeidbaren Risiken.
Der militärische Luft- und Bodenschießplatz Nordhorn-Range verursacht massive Lärm- und Umweltbelastungen. Wir fordern seine Schließung, um Mensch und Natur zu schützen.
Auch atomare Anlagen in der unmittelbaren Nachbarschaft der Grafschaft stellen Risiken dar. Wir wollen einen echten Atomausstieg erreichen und lehnen die Beteiligung des russischen Staatskonzerns ROSATOM ausdrücklich ab – insbesondere vor dem Hintergrund der internationalen Sicherheitslage.