Mobilität ist zentraler Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie entscheidet darüber, ob Menschen Arbeit, Bildung, medizinische Versorgung und soziale Angebote erreichen können. Gerade bei uns im ländlichen Raum ist sie Grundlage für wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Wir stehen vor der Aufgabe unsere Mobilität langfristig bezahlbar, sicher und ressourcenschonend zu gestalten, um auch bei uns in der Grafschaft Bentheim die CO₂-Emissionen im Verkehrssektor zu reduzieren. Unser Ziel ist eine pragmatische Mobilitätspolitik für die Grafschaft Bentheim durch ein sinnvolles Ineinandergreifen von Individualverkehr und öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) – verlässlich, generationengerecht und wirtschaftlich sinnvoll.
Wir gestalten Mobilität, die im Alltag funktioniert und niemanden ausschließt. Wir verbinden Klimaschutz mit wirtschaftlicher Stärke und sozialer Gerechtigkeit. Unser Ansatz bleibt klar: Wir ergänzen Mobilität sinnvoll, vernetzen die verschiedenen Verkehrsträger und schaffen echte Alternativen, statt einseitig einzuschränken.
2.1 Attraktiver Radverkehr – sicher und alltagstauglich
Das Fahrrad ist ein besonders effizientes und nachhaltiges Verkehrsmittel und gewinnt für Alltag und Freizeit weiter an Bedeutung. Gleichzeitig ist es ein Motor für Gesundheit und Tourismus. Der Radverkehr ist daher ein zentraler Bestandteil moderner Mobilitätspolitik.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir machen das Fahrrad zur echten Alternative
- Wir setzen auf sichere Radwege, die ganzjährig nutzbar sind
- Wir stärken das Radwegenetz und machen es attraktiv für alltagstaugliche Pendlerstrecken und den Fahrradtourismus
- Wir fördern eine sinnvolle kombinierte Nutzung von Fahrrad und ÖPNV Das Fahrrad soll als gleichwertiges Verkehrsmittel etabliert werden.
Innerstädtisch wollen wir es prioritär fördern und die Nutzung ganzjährig (innerstädtisch) sicher machen. Unser Ziel ist ein modernes, durchgängiges Radwegenetz, das auf der einen Seite den Alltag für Berufspendler:innen, Schüler:innen, Familien unterstützt und auf der anderen Seite einen attraktiven Fahrradtourismus ermöglicht.
Wir setzen auf breite, wenn möglich separat geführte Radwege nach aktuellen Richtlinien (ERA, Mindestbreite 2,5m) und internationalen Vorbildern (siehe Niederlande), die auch Lastenräder, Dreiräder und Anhänger berücksichtigen. Neue Wege sollen langlebig und hochwertig gebaut werden, um Schäden wie Wurzelbrüche oder Absackungen zu vermeiden.
Alltagstaugliche Pendlerstrecken, zum Beispiel zwischen Nordhorn, Neuenhaus, Veldhausen und Emlichheim, sollen die Nutzung des Fahrrads attraktiv machen.
Damit das Radfahren ganzjährig sicher ist, sorgen wir für Winterdienst auf wichtigen Strecken, ausreichende Beleuchtung (innerorts), Freischneiden im Sommer und reflektierende Elemente auf unbeleuchteten Wegen. Überwege werden gut sichtbar gestaltet, mögliche Geschwindigkeitsbegrenzungen vor Schulen, Kitas, Altenheimen und in Wohngebieten geprüft und umgesetzt. Für den sicheren Mindestabstand beim Überholen von Radfahrenden soll aktiv sensibilisiert werden, z.B. eine gezielte PR-Aktion durch Banner an Brücken und auf Bussen. Zudem sollten, ähnlich den Geschwindigkeitsmessungen, konkrete Gefährdungen sichtbar gemacht werden.
Die kluge kombinierte Nutzung von Fahrrad und ÖPNV wollen wir ausbauen. Wir prüfen kostengünstige oder perspektivisch kostenfreie Fahrradmitnahme, schaffen ausreichende Kapazitäten in Bus und Bahn und stärken bestehende Angebote wie den Fietsenbus. An Bahnhöfen und Haltestellen setzen wir auf sichere, überdachte und einfach zu bedienende Fahrradabstellanlagen, gute Anbindung ans Radwegenetz und weitere Knotenpunkttafeln.
Der Fahrradtourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Grafschaft Bentheim. Deshalb fördern wir die Weiterentwicklung der Radwege entlang von Vechte und Dinkel unter Berücksichtigung ökologisch sensibler Bereiche.
Mit diesen Maßnahmen wird das Fahrrad zur selbstverständlichen Wahl für Pendler:innen, Familien und Besucher:innen und steigert gleichzeitig die Attraktivität unserer Region.
2.2 ÖPNV – verlässlich, bezahlbar und flexible
Wir müssen in unserem ländlichen Raum den ÖPNV erheblich stärken und ausbauen. Ein leistungsfähiger und verlässlicher ÖPNV ist die zentrale Voraussetzung und Rückgrat für eine sozial gerechte und nachhaltige Mobilität.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir kümmern uns um bezahlbare Tickets für alle
- Wir entwickeln eine App für alles – einfach, übersichtlich, aktuell
- Wir verbessern die Anbindung für Gemeinden ohne Bahnanschluss
- Wir sorgen für höhere Taktung und bessere Koordination aller Verbindungen
- Wir setzen uns ein für einen ÖPNV, der barrierefrei und bezahlbar für alle ist.
Mobilität darf nicht vom Geldbeutel, Alter oder körperlichen Einschränkungen abhängen. Wir begrüßen das Deutschlandticket und seine Bezuschussung, die sicherstellt, dass Tickets für alle Generationen erschwinglich bleiben.
Wir verbinden Bus, Bahn, Fahrrad, Carsharing und E-Mobilität an jedem Knotenpunkt über moderne Mobilstationen und eine landkreisweite Mobilitäts-App. Diese bündelt Fahrpläne, Buchungen, Ticketkauf – inklusive Fahrradtickets – und Sharing-Angebote, um den Umstieg auf den ÖPNV einfach und attraktiv zu machen.
Verlässliche Takte, zusätzliche Nachtverbindungen sowie Betriebszeiten frühmorgens, spät abends und an Wochenenden sind zwingend erforderlich. On-Demand-Verkehre, Rufbusse, Bürgerbusse und weitere Zubringersysteme sorgen dafür, dass auch abgelegene Gemeinden und Gemeinden ohne direkten Bahnanschluss in der Grafschaft gut angebunden sind.
Für Berufspendler:innen, Schüler:innen und Auszubildende wollen wir schnelle Direktverbindungen, wie z.B. einen Expressbus zwischen Nordhorn und Lingen, ausbauen.
Der grenzüberschreitende Nahverkehr in die Niederlande, sowie in anliegende Landkreise wird weiter ausgebaut. So verbinden wir Menschen, Arbeitsplätze und Bildungsorte effizient miteinander und machen den ÖPNV zu einer echten Alternative zum Auto.
2.3 Bahnverkehr – regional stärken und besser vernetzen
Die Bahn ist ein zentraler Baustein für eine nachhaltige Mobilität – durch die verlässliche Arbeit der Bentheimer Eisenbahn auch wieder bei uns in der Grafschaft. Die Möglichkeiten der Bahn müssen konsequent weiterentwickelt und verfolgt werden.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir reaktivieren stillgelegte Strecken
- Wir richten zusätzliche Haltepunkte ein Wir sorgen für Verlässlichkeit und kluge Anschlusssysteme
- Wir kümmern uns um bessere überregionale Anbindungen
Wir begrüßen die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs bis Coevorden und unterstützen die Reaktivierung der Strecke Bad Bentheim–Gildehaus. Wir setzen uns für den Lückenschluss der Bahn Gildehaus–Gronau ein, um direkte Verbindungen nach Enschede und Düsseldorf zu ermöglichen.
Wir unterstützen die Planungen der niederländischen Seite, nach dem geplanten Lückenschluss Ter Apel-Emmen eine durchgehende Bahnverbindung Groningen–Emmen–Coevorden–Nordhorn–Rheine einzurichten.
Die sogenannte Bentheimer Kurve kann die regionale Schienenanbindung verbessern. Eine Weiterverfolgung ist für uns jedoch nur auf Basis einer transparenten Prüfung möglich. Dazu gehört insbesondere die verkehrliche Notwendigkeit, wirtschaftliche Tragfähigkeit, sowie besonders die Auswirkungen auf Natur und Landschaft. Erst wenn eine fundierte Prüfung vorliegt und sämtliche umweltfachliche Bedenken ausgeräumt werden konnten, kann über eine weitere Planung der Bentheimer Kurve entschieden werden. Für uns gilt der Grundsatz, Infrastrukturprojekte nur dann voranzubringen, wenn sie ökologisch verantwortbar und für die Region tatsächlich sinnvoll sind.
Verlässliche Anschlüsse und kurze Wartezeiten sind für uns entscheidend. Die Bentheimer Eisenbahn zählt zu den zuverlässigsten Eisenbahnen Deutschlands, bei den Anschlüssen gibt es aber Verbesserungspotential.
Zudem müssen kreative Lösungen wie On-Demand-Verkehre oder Zubringersysteme für Gemeinden ohne direkten Bahnanschluss geprüft und umgesetzt werden. Wir prüfen Perspektiven für eine moderne, klimafreundliche Bahn: dichtere Takte auf der eingleisigen Strecke (z. B. durch Ausweichstellen oder abschnittsweise Zweigleisigkeit), zusätzliche Haltestellen wie Brandlecht, Esche oder Ringe und eine mögliche Nutzung von batteriebetriebenen Zügen.
So sichern wir eine verlässliche, nachhaltige und zukunftsfähige Schienenanbindung, die Pendler:innen, Schüler:innen, Familien und den grenzüberschreitenden Verkehr gleichermaßen stärkt.