Bündnis 90 / Die Grünen in der Grafschaft Bentheim

Grafschaft Bentheim

3. Wohnen, Soziales & Integration - Zusammenhalt sichern, Zukunft gestalten


Soziale Gerechtigkeit entscheidet sich vor Ort. In unseren Städten und Gemeinden zeigt sich, ob Menschen gut wohnen können, Unterstützung finden und am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Der Landkreis darf hier nicht nur beobachten – er muss koordinieren, unterstützen und gemeinsam Lösungen voranbringen.

Wir wollen eine Grafschaft Bentheim, die zusammenhält und funktioniert. Unser Ziel ist ein gutes Leben für alle – unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Lebenssituation. Dafür stärken wir die Kommunen und sorgen für klare, verlässliche Rahmenbedingungen.

Wir gestalten soziale Politik, die im Alltag funktioniert und niemanden ausschließt. Wir verbinden soziale Gerechtigkeit mit wirtschaftlicher Vernunft und einer klaren Priorität für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Unser Ansatz bleibt pragmatisch: Wir stärken die Städte und Gemeinden, bündeln Kräfte auf Kreisebene und sorgen dafür, dass gute Lösungen schneller wirken.

3.1 Bezahlbarer Wohnraum – endlich Tempo machen!

Bezahlbarer Wohnraum fehlt – und das spürbar. Die Mieten steigen, Wohnungen sind knapp. Gleichzeitig verändern sich die Bedarfe durch den demografischen Wandel deutlich.

Unsere Ziele und Maßnahmen:
  • Wir laden Städte und Gemeinden zu einer regelmäßigen interkommunalen „Taskforce Wohnen“ ein
  • Wir setzen das Wohnraumversorgungskonzept konsequent um und richten die Umsetzung stärker auf die demografische Entwicklung aus
  • Wir unterstützen Kommunen gezielt beim Ausbau von bezahlbarem Wohnraum
  • Wir fördern die Gründung von Wohnungsbaugenossenschaften aktiv
  • Wir stärken die interkommunale Zusammenarbeit mit bestehenden Akteuren wie der GeWo Nordhorn u.a.
  • Wir aktivieren Leerstand und nutzen bestehende Gebäude besser
  • Wir verbinden Klimaschutz mit bezahlbaren Warmmieten

Der Landkreis wird die Kommunen für diese Aufgabe zusammenbringen. Mit einer regelmäßigen, gemeinsamen Taskforce schaffen wir einen festen Raum für Austausch und Zusammenarbeit. Stadtplanung, Bauverwaltungen und weitere Akteure können sich dort über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze auf der Fachebene austauschen. Gute Lösungen werden schneller übertragen, Probleme gemeinsam gelöst und Hindernisse früher sichtbar. So entsteht mehr Tempo, ohne dass jede Kommune dieselben Fragen allein bearbeiten muss. Ergebnisse, offene Punkte und erfolgreiche Ansätze werden einmal jährlich in einem kompakten Bericht zusammengeführt und dem Kreistag vorgelegt. Damit gibt es eine klare politische Rückkopplung.

Das Wohnraumversorgungskonzept liefert die wesentlichen Empfehlungen bereits. Entscheidend ist jetzt nicht ein weiterer Papierstapel, sondern die konsequente Umsetzung. Dabei muss die demografische Entwicklung deutlich stärker in den Mittelpunkt rücken: Wir brauchen mehr kleinere, barrierearme Wohnungen, mehr altersgerechte Wohnangebote und eine bessere Nutzung des vorhandenen Bestands. Wer hier früh handelt, verhindert Engpässe und entlastet zugleich den gesamten Wohnungsmarkt.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf altersgerechtem Wohnen. Wenn ältere Menschen passende Wohnungen finden, bleiben sie selbstständig und gut versorgt. Gleichzeitig werden Einfamilienhäuser frei, die für Familien dringend gebraucht werden. Diese Umzugsketten sind einer der effizientesten Wege, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, ohne neue Flächen ausweisen zu müssen.

Wir unterstützen Städte und Gemeinden aktiv bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Das bedeutet konkrete Hilfe bei Fördermitteln, Beratung bei Konzeptvergaben und Unterstützung bei der Entwicklung tragfähiger Projekte. Besonders wichtig sind langfristige Bindungen, damit Wohnungen nicht nur kurzzeitig, sondern dauerhaft bezahlbar bleiben. Öffentliche Förderung muss dort wirken, wo sie den größten sozialen Nutzen entfaltet.

Wohnungsbaugenossenschaften sind ein zentraler Hebel für dauerhaft bezahlbares Wohnen. Sie sichern stabile Mieten, stärken lokale Verantwortung und entziehen Wohnraum zumindest teilweise der Spekulation. Deshalb unterstützen wir Gemeinden mit entsprechenden Plänen gezielt bei Gründung, Aufbau und Vernetzung solcher Strukturen. Gleichzeitig regen wir eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit an, insbesondere mit erfahrenen Akteuren wie der GeWo Nordhorn, der WGS Schüttorf und dem Bauverein Bad Bentheim, damit Know-how, Prozesse und Erfahrungen nicht auf einzelne Orte beschränkt bleiben.

Der größte Hebel liegt oft im Bestand. Leerstand, untergenutzte Gebäude oder unpassende Zuschnitte können schneller neuen Wohnraum schaffen als viele Neubauprojekte. Hier braucht es aktives Handeln statt bloßer Appelle. Wenn Kommunen dabei unterstützt werden, Gebäude umzunutzen, Wohnungen besser zu verteilen und Hindernisse frühzeitig zu lösen, entsteht zusätzlicher Wohnraum ohne weiteren Flächenverbrauch.

Klimaschutz bleibt wichtig – aber bezahlbar. Energetische Maßnahmen dürfen nicht dazu führen, dass Menschen sich ihre Wohnung am Ende nicht mehr leisten können. Deshalb setzen wir auf Maßnahmen, die Energiekosten spürbar senken und damit die Warmmieten stabil halten oder reduzieren. Gerade in Zeiten hoher Energiepreise ist das nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern sozial zwingend.

3.2 Soziale Infrastruktur – Teilhabe sichern und Angebote stärken

Nicht alle Menschen haben die gleichen Startchancen. Armut, soziale Isolation und fehlende Unterstützung betreffen auch die Grafschaft Bentheim. Gleichzeitig geraten gerade die Angebote unter Druck, die Teilhabe überhaupt erst ermöglichen.

Unsere Ziele und Maßnahmen:
  • Wir unterstützen Kommunen beim Ausbau von Kitas und Ganztagsangeboten gezielt
  • Wir sichern zentrale Beratungsangebote wie Sucht-, Schuldner-, Obdachlosen-, Migrationsberatung, Frauenhaus und Frauenberatungsstelle dauerhaft ab
  • Wir vernetzen soziale Angebote im Landkreis besser und steuern sie gezielter
  • Wir bringen Barrierefreiheit verbindlich voran
  • Wir stärken soziale Treffpunkte und Präventionsangebote

Gute Bildung und Betreuung sind die Grundlage für Chancengerechtigkeit. Deshalb unterstützen wir Städte und Gemeinden beim Ausbau von Kitas und Ganztagsangeboten konsequent. Wer hier spart, verschiebt Probleme nur in die Zukunft – und macht sie später teurer. Gerade im ländlichen Raum entscheidet eine verlässliche soziale Infrastruktur darüber, ob Familien entlastet werden und Kinder echte Startchancen bekommen.

Soziale Infrastruktur muss verlässlich sein. Einrichtungen wie Sucht-, Schuldner-, Obdachlosen-, Migrationsberatung, das Frauenhaus oder die Frauenberatungstelle sind keine freiwilligen Extras, die man bei knapper Kasse mal eben zusammenschiebt oder kürzt. Sie verhindern Eskalationen, stabilisieren Lebenssituationen und schützen Menschen in akuten Krisen. Deshalb dürfen diese Angebote nicht Opfer die Haushaltssituation werden. Wir setzen uns für eine verlässliche, möglichst mehrjährige finanzielle Absicherung ein, damit Träger Planungssicherheit haben und ihre Arbeit kontinuierlich leisten können. Wer soziale Infrastruktur immer nur unter Haushaltsvorbehalt betrachtet, schwächt die Stabilität des gesamten Gemeinwesens.

Wir verbessern die Steuerung sozialer Angebote, ohne zusätzliche Bürokratie aufzubauen. Häufig gibt es gute Strukturen, aber zu wenig Abstimmung zwischen Trägern, Kommunen und Kreis. Das führt zu Doppelarbeit an manchen Stellen und zu Lücken an anderen. Der Landkreis muss hier stärker koordinieren, damit Angebote besser ineinandergreifen, Bedarfe schneller erkannt werden und vorhandene Mittel wirksamer eingesetzt werden.

Barrierefreiheit ist Voraussetzung für Teilhabe und kein nachrangiger Zusatz. Sie muss in Gebäuden, im öffentlichen Raum und bei Dienstleistungen von Anfang an mitgedacht werden. Der Landkreis unterstützt die Kommunen dabei, diese Standards konsequent umzusetzen und Schritt für Schritt auszubauen. Teilhabe darf nicht daran scheitern, dass öffentliche Angebote nur für einen Teil der Bevölkerung selbstverständlich erreichbar sind.

Soziale Treffpunkte und Präventionsangebote sind kein Luxus, sondern ein Schutzfaktor für unsere Gesellschaft. Mehrgenerationenhäuser, Nachbarschaftsprojekte, niedrigschwellige Hilfen und offene Begegnungsorte verhindern Einsamkeit, fördern Gemeinschaft und stabilisieren soziale Räume. Gerade im ländlichen Raum sind solche Orte oft entscheidend dafür, ob Menschen Anschluss finden oder dauerhaft abgehängt werden. Prävention wirkt dabei nicht nur menschlich besser, sondern auf Dauer auch wirtschaftlicher als spätere Krisenintervention.

3.3 Integration – fördern, fordern und gemeinsam gestalten

Integration beginnt am ersten Tag. Sie ist Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine Chance für unseren Arbeitsmarkt. Gleichzeitig ist klar: Integration ist keine Einbahnstraße.

Unsere Ziele und Maßnahmen:
  • Wir unterstützen Städte und Gemeinden bei dezentraler Unterbringung gezielt
  • Wir stellen Sprachförderung vom ersten Tag an in den Mittelpunkt
  • Wir machen Beratung und Unterstützung frühzeitig zugänglich
  • Wir beschleunigen die Integration in Arbeit und Ausbildung konsequent
  • Wir koordinieren die Zusammenarbeit aller Akteure im Landkreis verbindlich

Dezentrale Unterbringung erleichtert Integration erheblich. Menschen leben im Alltag der Gesellschaft und werden Teil davon, statt in isolierten Strukturen zu verbleiben. Das fördert Kontakte, stärkt das Miteinander und verhindert Abschottung. Der Landkreis unterstützt Kommunen dabei, diese Form der Unterbringung im Rahmen ihrer Möglichkeiten umzusetzen und organisatorische Hürden zu verringern.

Sprache ist der Schlüssel für Bildung, Arbeit und Teilhabe. Ohne Sprachkenntnisse bleiben viele Wege verschlossen, selbst wenn Motivation und Fähigkeiten vorhanden sind. Deshalb stellen wir den Spracherwerb vom ersten Tag an in den Mittelpunkt und setzen auf frühzeitige, verbindliche und alltagstaugliche Angebote. Wer die Sprache schnell lernt, findet schneller Anschluss – im Beruf, in der Schule und im sozialen Leben.

Integration muss früh beginnen. Wer rasch Zugang zu Beratung, Orientierung und verlässlichen Strukturen bekommt, integriert sich erfolgreicher und nachhaltiger. Das gilt unabhängig davon, wie komplex aufenthaltsrechtliche Verfahren im Einzelfall sind. Frühe Unterstützung ist nicht naiv, sondern vernünftig: Sie verhindert lange Leerlaufzeiten und senkt auf Dauer soziale und finanzielle Folgekosten.

Arbeit ist der stärkste Integrationsmotor. Deshalb setzen wir auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Jobcenter, Unternehmen, Bildungsträgern und weiteren Akteuren, damit Menschen möglichst schnell in Ausbildung, Qualifizierung oder Beschäftigung kommen. Das stärkt Eigenständigkeit, schafft Perspektiven und entlastet zugleich die sozialen Systeme. Gerade angesichts des Fachkräftebedarfs ist gelingende Arbeitsmarktintegration auch im ureigenen Interesse unserer Region.

Integration ist aber keine Einbahnstraße. Wir erwarten, dass Menschen, die zu uns kommen, sich aktiv bemühen, die Sprache zu lernen, sich an Regeln zu halten und ihren Beitrag zum Zusammenleben zu leisten. Integration gelingt nur, wenn beide Seiten aufeinander zugehen. Förderung und Erwartung gehören deshalb zusammen – nicht als Widerspruch, sondern als Grundlage gelingender Teilhabe.

Der Landkreis übernimmt dabei eine aktive koordinierende Rolle. Integration gelingt nur, wenn Kommunen, Verwaltung, Ehrenamt, Schulen, Träger und Wirtschaft eng zusammenarbeiten. Wir sorgen für klare Strukturen, verbindliche Absprachen und einen verlässlichen Austausch, damit Integration nicht vom Zufall oder vom Einzelengagement abhängt. So schaffen wir eine Praxis, die menschlich ist, aber auch klar, realistisch und alltagstauglich.