Kinder, Jugendliche und Familien prägen die Zukunft der Grafschaft Bentheim. Sie brauchen verlässliche Strukturen, gute Bildungschancen, sichere Lebensräume und Unterstützung in herausfordernden Situationen. In den vergangenen Jahren haben gesellschaftliche Veränderungen – von sozialer Ungleichheit über die Folgen der Pandemie bis hin zu Fachkräftemangel und Demokratiekrise – den Familien- und Frauenalltag spürbar beeinflusst.
Gleichzeitig verfügt die Grafschaft bereits über starke Angebote: Familien Service Büros, Beratungsstellen, vielfältige Jugendarbeit, engagierte Vereine und Schulen. Auf dieser Basis wollen wir die Lebensbedingungen für Kinder, Jugendliche Frauen und Familien weiter verbessern – gemeinsam mit Kommunen, freien Trägern, Vereinen, Initiativen, Schulen und der Verwaltung.
4.1 Familien und frühe Bildung – gute Startbedingungen schaffen
Frühe Bildung legt den Grundstein für faire Chancen. Jedes Kind soll unabhängig vom Einkommen der Eltern Zugang zu guter Betreuung und Bildung erhalten. Gleichzeitig brauchen Familien wohnortnahe und verlässliche Unterstützung – unkompliziert, zugänglich und gut vernetzt.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir bauen Kita- und Krippenplätze bedarfsgerecht aus.
- Wir verbessern die Arbeitsbedingungen in Kitas, damit mehr qualifizierte Fachkräfte gewonnen und gehalten werden.
- Wir ermöglichen verlässliche Betreuungszeiten, die Familie, Ausbildung, Studium und Beruf vereinbar machen.
- Wir stärken frühe Bildung für Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein.
- Wir entwickeln die Familien Service Büros zu starken, sichtbaren Anlaufstellen weiter.
Ein hochwertiges, flächendeckendes Angebot an Kita- und Krippenplätzen ist ein zentrales Element guter Familienpolitik. Wir wollen dieses Angebot zügig und bedarfsgerecht ausbauen und dafür sorgen, dass es unabhängig vom Einkommen der Eltern zugänglich bleibt. Damit frühkindliche Bildung gelingt, brauchen Kitas eine stabile Personalstruktur. Dazu gehören attraktive Arbeitsplätze mit guten Räumen, fairer Vergütung und gesundheitsförderlichen Arbeitsbedingungen.
Wir wollen Kinder bereits in der frühen Bildung für Umwelt- und Klimaschutz sensibilisieren. Gemeinsam mit Kitas, Schulen und außerschulischen Lernorten stärken wir Bildung für nachhaltige Entwicklung. Gleichzeitig setzen wir uns für flexible und verlässliche Betreuungsangebote ein, die insbesondere Alleinerziehende und Eltern in Ausbildung oder Studium entlasten.
Mit den Familien Service Büros haben wir wohnortnahe Anlaufstellen aufgebaut. Wir wollen sie weiterentwickeln, gut ausstatten und bekannter machen. Familien sollen in allen Lebenslagen wissen: Vor Ort gibt es Menschen, die beraten, unterstützen und Wege durch das Hilfesystem zeigen.
4.2 Kinder- und Jugendhilfe – verlässlich unterstützen
Kinder- und Jugendhilfe trägt wesentlich dazu bei, Familien in belasteten Situationen zu begleiten. Steigende Herausforderungen – etwa durch Armut, psychische Erkrankungen oder Fluchterfahrung – erfordern stabile, zugängliche und gut vernetzte Anlaufstellen zur Unterstützung.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir sichern Erziehungshilfen und Beratungsangebote langfristig ab.
- Wir bauen Unterstützungsangebote für belastete Familien bedarfsgerecht aus.
- Wir ermöglichen frühzeitige, freiwillige und niedrigschwellige Zugänge ohne Stigmatisierung.
- Wir verbessern die Arbeitsbedingungen der Fachkräfte in Jugendamt, Beratungsstellen und freien Trägern.
Sozialpädagogische Familienhilfen, Trennungs- und Scheidungsberatung, Schulbegleitungen, Lerngruppen und Projekte für Kinder aus belasteten Familien sind unverzichtbare Bausteine kommunaler Jugendhilfe. Sie müssen langfristig abgesichert sein, damit Familien nicht von befristeten Projekten abhängig sind.
Wir setzen uns dafür ein, dass Hilfen früh, freiwillig und barrierefrei erreichbar sind. Fachkräfte benötigen dafür gute Arbeitsbedingungen und echte Handlungsspielräume.
Unser Ziel ist eine Jugendhilfe, die stärkt, begleitet und vorbeugt – mit hoher Qualität, ohne Stigmatisierung Betroffener.
4.3 Beteiligung und Demokratiebildung – Mitbestimmung ermöglichen
Junge Menschen wollen mitreden und ihre Lebenswelt aktiv gestalten. Deshalb ist die Schaffung von Beteiligungsstrukturen von Kindern und Jugendlichen zur Demokratiebildung unverzichtbar – gerade in Zeiten zunehmender politischer Polarisierung.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir schaffen neue, stabile Strukturen für Beteiligung junger Menschen.
- Wir verankern Beteiligungsprojekte dauerhaft in der kommunalen Jugendpolitik.
- Wir fördern Kooperationen zwischen Schulen, Jugendzentren, Vereinen und Initiativen.
- Wir sichern Angebote der Demokratiebildung langfristig ab.
Die „Partnerschaft für Demokratie Grafschaft Bentheim“ (PaDGraf) hat in den vergangenen Jahren wichtige Projekte ermöglicht: Jugend-Politik-Dialoge, Workshops, Fahrten, Ausstellungen und Begegnungen. Die Einstellung dieser Arbeit aufgrund fehlender Fördermittel war ein schmerzhafter Rückschlag.
Wir wollen, dass Strukturen der Demokratiebildung verlässlich finanziert und unabhängig von befristeten Fördergeldern werden. Beteiligungsprojekte sollen nicht punktuell stattfinden, sondern dauerhaft fester Bestandteil einer modernen kommunalen Jugendpolitik sein. Junge Menschen müssen ernst genommen und in ihrem Engagement unterstützt werden.
4.4 Frei- und Lebensräume – sicher und attraktiv gestalten
Junge Menschen brauchen sichere Orte, an denen sie sich treffen, bewegen, ausprobieren und aufwachsen können. Diese Räume sollen gut erreichbar, inklusiv und gemeinsam mit Jugendlichen gestaltet sein.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- - Wir schaffen sichere und moderne Bewegungs- und Aufenthaltsräume.
- Wir entwickeln Spielplätze, Schulhöfe und Jugendzentren gemeinsam mit jungen Menschen weiter.
- Wir sichern eine wohnortnahe Infrastruktur für Freizeit, Sport und Begegnung.
Mit neuen Sport- und Bewegungsangeboten wie Soccer-Feldern oder modern gestalteten Schulhöfen bestehen bereits attraktive Orte für Begegnung und Bewegung. Wir wollen diese weiterentwickeln und gewährleisten, dass in allen Teilen der Grafschaft inklusive, gut erreichbare und sichere Treffpunkte entstehen.
Uns ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche aktiv an der Gestaltung dieser Orte beteiligt werden – von der Planung bis zur Umsetzung. So entstehen Räume, die ihren Bedürfnissen entsprechen und Identifikation schaffen.
4.5 Bildung und Übergänge – Chancen eröffnen
Gute Bildung ist Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Das bedeutet insbesondere für uns in der Grafschaft die Verknüpfung mit unserer lokalen Wirtschaft und Industrie. Als Schulträger trägt der Landkreis Verantwortung für Ausstattung, Schulentwicklungsplanung und eine verlässliche Bildungs- und Berufsberatung, damit unseren jungen Mensch vor Ort alle Bildungschancen offenstehen und optimale Lernbedingungen bereitgestellt werden.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir modernisieren Schulen bedarfsgerecht und inklusiv.
- Wir stärken Übergänge in Ausbildung und weiterführende Bildung.
- Wir fördern Ganztagsangebote mit guter räumlicher und pädagogischer Qualität.
- Wir sichern Schulsozialarbeit an allen Schulen.
- Wir steuern die Entwicklung des Campus Berufliche Bildung (CBB) und seine Wirkung anhand konkreter Kennzahlen.
- Wir unterstützen die Schulen bei der Entwicklung und Umsetzung zukunftsweisender Lernkonzepte.
Bildungschancen dürfen nicht vom Geldbeutel abhängen. Deshalb stärken wir Mobilität, Beratung und Begleitung – etwa durch Zuschüsse zu Fahrkosten und gute Berufs- und Bildungsberatung. Projekte wie die „Woche der Ausbildung“ zeigen, wie erfolgreiche Wege entstehen können.
Schulen müssen zeitnah saniert, modernisiert und mit inklusiven Lernumgebungen ausgestattet werden. Dazu gehören moderne Unterrichtsräume, barrierefreie Gestaltung und gute Außenanlagen. Ganztagsschulen brauchen Räume für Pausen, ein gesundes regionales Mittagessen und ergänzende Sport- und Freizeitangebote.
Die Wichtigkeit einer umfassenden Schulsozialarbeit wird in allen Schulformen immer sichtbarer. Sie ist unverzichtbar zur Prävention, Beratung und Unterstützung von Lehrkräften und Schüler:innen, weshalb wir uns für die Einrichtung notwendiger Stellen einsetzen. Unsere Schulen müssen bei der Bewältigung real vorhandener Probleme wie (Cyber-)Mobbing, Kriminalität und Drogenkonsum aktiv unterstützt werden.
Die Entwicklung und Umsetzung zukunftsweisender Lernkonzepte, wie das Selbstorganisierte Lernen werden gefördert und unterstützt. Bedarfsgerechtes digitales Lernen muss durch leistungsfähige IT, moderne Geräte und guten technischen Support möglich sein. Die rasante Entwicklung – insbesondere bei Künstlicher Intelligenz – zeigt, wie wichtig eine kluge, sinnvolle Digitalisierung ist.
Berufsbildende Schulen statten wir so aus, dass sie moderne Ausbildungswege ermöglichen – mit technischen Geräten, Projekträumen und enger Kooperation mit regionalen Unternehmen, z. B. im Rahmen des CBB und geplanter Innovationszentren.
4.6 Hilfe in Krisen – schnell und verlässlich unterstützen
Kinder, Jugendliche, Frauen und Familien brauchen verlässliche Unterstützung in Krisen – bei Trennung, Krankheit, Gewalt, Überlastung oder psychischen Belastungen.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir sichern Beratungsangebote langfristig ab.
- Wir vernetzen Hilfesysteme besser und stärken (Gewalt-)Prävention.
- Wir schaffen sichtbare, niedrigschwellige Räume, die Frauen, Kinder und Jugendliche direkt erreichen.
In der Grafschaft existiert bereits ein breites Hilfesystem – von Eltern-, Jugend-, Frauen- und Familienberatungen über Projekte für Kinder psychisch erkrankter Eltern bis hin zu Gewaltprävention. Wir wollen diese Angebote sichern, besser vernetzen und weiterentwickeln.
Besonders wichtig ist uns, dass Frauen, Kinder und Jugendliche selbst wissen, wo sie Hilfe finden – ohne Hürden, anonym, vertraulich und in ihrer Lebenswelt präsent. Wo möglich, gilt es durch die Förderung präventiver Maßnahmen vor Belastungen zu schützen.
4.7 Finanzierung und Rahmenbedingungen – dauerhaft sichern
Gute Kinder-, Jugend-, Frauen- und Familienpolitik braucht verlässliche finanzielle Grundlagen und starke Partnerschaften.
Unsere Ziele und Maßnahmen:
- Wir sichern ausreichende Mittel im Kreishaushalt.
- Wir sichern die Umsetzung der Instanbul-Konvention zum Schutz der Frauen.
- Wir verteilen Lasten fair zwischen Landkreis, Land und Bund.
- Wir setzen klare Prioritäten und prüfen regelmäßig, wo der Bedarf am größten ist.
- Wir fördern eine Kultur der Wertschätzung und Zusammenarbeit.
Damit Angebote wirken, müssen sie langfristig finanziert werden. Wir setzen uns dafür ein, dass Kinder-, Jugend- und Familienarbeit im Haushalt nicht gegeneinander ausgespielt wird.
Die Umsetzung der Instanbul-Konvention sichern wir mit ausreichender Finanzierung entlang der Daten zum Dunkelfeld.
Eine faire Lastenverteilung zwischen allen Ebenen ist dafür zentral. Gleichzeitig braucht es eine Kultur der Wertschätzung: gegenüber Familien, jungen Menschen und all den Menschen, die in Beratungsstellen, Kitas, Schulen, Vereinen und Initiativen täglich Verantwortung für gutes Aufwachsen übernehmen. Deshalb ist es uns ein besonderes Anliegen, ihre Erfahrungen in politische Entscheidungen einfließen zu lassen – partnerschaftlich durch ehrlichen Austausch und offene Kommunikation.