Bündnis 90 / Die Grünen in der Grafschaft Bentheim

Grafschaft Bentheim

6. Arbeit, Wirtschaft, Tourismus und Kultur - Zukunft sichern, Chancen nutzen


Die Grafschaft Bentheim steht vor tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen. Fachkräftemangel, Transformation der Industrie, Digitalisierung und steigende Anforderungen an Klimaschutz verändern die Rahmenbedingungen für Unternehmen grundlegend.

Gleichzeitig bietet unsere Region große Chancen: eine starke mittelständische Struktur, engagierte Betriebe, die Nähe zu den Niederlanden und eine hohe Lebensqualität.

Unser Ziel ist klar: Wir entwickeln die Grafschaft Bentheim zu einem innovationsfreundlichen, nachhaltigen und resilienten Wirtschaftsstandort. Dafür stärken wir Kooperation statt Konkurrenz – zwischen den Kommunen, mit dem Emsland und mit der niederländischen Region Twente.

6.1 Fachkräfte sichern – Ausbildung stärken und Zuwanderung nutzen

Gut ausgebildete Fachkräfte sind die Grundlage für eine starke Wirtschaft. Der Fachkräftemangel ist bereits heute in vielen Branchen spürbar und wird sich weiter verschärfen.

Unsere Ziele und Maßnahmen:
  • Wir sichern Fachkräfte vor Ort und gewinnen zusätzliche Fachkräfte durch Zuzug und Zuwanderung
  • Wir stärken Bildung und Qualifizierung in der Region - für Beschäftigte und junge Menschen vor dem Berufseinstieg
  • Wir bauen Kinderbetreuung bedarfsgerecht, flexibel und verlässlich aus
  • Wir setzen einen Schwerpunkt in der frühkindlichen und schulischen Förderung

Wir setzen auf eine doppelte Strategie: Wir stärken die Ausbildung vor Ort und verbessern gleichzeitig die Gewinnung internationaler Fachkräfte, sowie der vielen Menschen mit Migrationshintergrund. Berufliche Bildung wird sich überregional stärker bündeln und spezialisieren müssen. Wir regen unsere Berufsschulen dazu an, sich gezielter auf einzelne Ausbildungszweige ausrichten und ihre Zusammenarbeit untereinander sowie mit überregionalen Standorten ausbauen.

Den CBB entwickeln wir konsequent weiter. Ziel ist, dass er ein attraktiver Ort zum Lernen und Leben wird. Dazu gehören Wohnangebote für Auszubildende, flexible Lösungen für Blockunterricht sowie Räume für Austausch und Lernen. Gleichzeitig achten wir darauf, dass die Entwicklung des CBB klar gesteuert wird und sichtbar wird, welchen Beitrag er zur Fachkräftesicherung in der Region leistet.

Bei der Gewinnung internationaler Fachkräfte setzen wir auf gute Koordination bestehender Angebote. Wir unterstützen Betriebe dabei, vorhandene Beratungs- und Unterstützungsstrukturen einfacher zu nutzen und wirken darauf hin, dass Verfahren – etwa bei Anerkennung von Abschlüssen – schneller und verlässlicher ablaufen. Ergänzend stärken wir Sprachförderung und Qualifizierungsangebote.

Gleichzeitig verbessern wir die Rahmenbedingungen für Familien. Wir bauen Kinderbetreuung bedarfsgerecht aus, erweitern Betreuungszeiten und schaffen verlässliche und qualifizierte Ganztagsangebote: ein früher Einstieg in Bildungsangebote sichert die Fachkräftegewinnung von morgen. Auch betriebsnahe und gemeinsame Betreuungsmodelle wollen wir unterstützen. So ermöglichen wir, dass beide Elternteile flexibel und bis zu Vollzeit arbeiten können.

6.2 Flächen, Infrastruktur und Energie – strategisch entwickeln

Flächen, Energie und Infrastruktur sind zentrale Standortfaktoren. Ohne sie ist wirtschaftliche Entwicklung nicht möglich.

Unsere Ziele und Maßnahmen:
  • Wir wirken auf ein gemeinsames landkreisweites Raum- und Flächenkonzept hin
  • Wir strukturieren Gewerbeflächen gezielt und schaffen Zukunftsstandorte
  • Wir nutzen erneuerbare Energien und Wasserstoff als wirtschaftliche Chance
  • Wir bauen die digitale Infrastruktur konsequent aus

Wir setzen uns dafür ein, dass die Kommunen der Grafschaft ein gemeinsames Raum- und Flächenkonzept entwickeln. Nur so lassen sich Flächen effizient nutzen, Konkurrenzsituationen vermeiden und größere Entwicklungspotenziale gemeinsam erschließen. Gewerbegebiete können so stärker nach Zukunftsperspektiven ausgerichtet werden. Wir schaffen gezielte Schwerpunktflächen, etwa für Wasserstoffwirtschaft, Energietechnik und industrielle Transformation. Gleichzeitig sichern wir größere Flächen für mögliche Großansiedlungen.

Die Herausforderungen zeigen sich bereits heute, etwa bei der Ausweisung von Flächen für erneuerbare Energien. Nicht alle Kommunen finden vor Ort geeignete Standorte, die mit Umwelt­und Naturschutz vereinbar sind. Gleichzeitig stellt sich die Frage der finanziellen Verteilung. Wenn Gewerbegebiete oder Energieprojekte über kommunale Grenzen hinweg entwickelt werden, müssen auch die Einnahmen – insbesondere Gewerbesteuern – gerecht verteilt werden. Nur so entsteht die notwendige Bereitschaft zur Zusammenarbeit.

Nachhaltigkeit wird verbindlicher Standard. Bei neuen Flächen setzen wir klare Vorgaben für Bauweise, Energieversorgung, Abwärmenutzung und Photovoltaik.

Parallel treiben wir den Ausbau von Glasfaser, Breitband und Mobilfunk konsequent voran und schließen bestehende Lücken – insbesondere in ländlichen und grenznahen Bereichen.

6.3 Innovation und Zusammenarbeit – Zukunft ermöglichen

Innovation und Kooperation entscheiden über die Zukunftsfähigkeit unserer Region.

Unsere Ziele und Maßnahmen:
  • - Wir entwickeln eine regionale Innovationsstrategie
  • Wir fördern Start-ups und Gründungen gezielt
  • Wir stärken den Technologietransfer zwischen Wirtschaft und Bildung
  • Wir bauen die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter aus
  • Wir fördern Initiativen der Zivilgesellschaft, die sich für die Umsetzung der UN­-Nachhaltigkeitsziele einsetzen

Wir richten einen Innovationsbeirat aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung mit ständigem Sitz im entsprechenden Ausschuss ein, um strategische Schwerpunkte zu setzen und die Entwicklung gemeinsam zu gestalten.

Wir entwickeln das Gründerzentrum weiter um Räume für neue Ideen, Co-Working, Labore und Testmöglichkeiten zu schaffen (“innovation-Hub”). Gleichzeitig stärken wir den Austausch zwischen Bildungseinrichtungen und Unternehmen durch konkrete Projekte um so Jugendliche durch attraktive Job- und Ausbildungsangebote in unserer Grafschaft zu gewinnen und zu halten.

Die Zusammenarbeit mit der Region Twente wird gezielt ausgebaut. Gemeinsame Projekte, abgestimmte Strategien bieten große Chancen für Wachstum und Innovation.

Auch gesellschaftliche Initiativen leisten einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Region. Gruppen, die sich für nachhaltigen Konsum, faire Lieferketten oder den Schutz von Umwelt und Gesundheit einsetzen, greifen häufig Themen frühzeitig auf und entwickeln praktische Lösungen im Alltag. Beispiele sind Weltläden, Initiativen für plastikfreien Einkauf oder Engagement gegen Schadstoffe wie PFAS.

Solche Initiativen stärken das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln und wirken direkt in Wirtschaft und Gesellschaft hinein. Sie fördern regionale Wertschöpfung und setzen Impulse, die auch von Unternehmen aufgegriffen werden können. Wir wollen diese Initiativen sichtbarer machen und besser vernetzen.

6.4 Tourismus und Kultur – gemeinsam entwickeln und sichtbar machen

Tourismus und Kultur prägen das Bild der Grafschaft Bentheim nach außen und tragen gleichzeitig wesentlich zur Lebensqualität vor Ort bei. Beide Bereiche sind eng miteinander verbunden und entfalten ihre Wirkung besonders dann, wenn sie gemeinsam gedacht werden.

Unsere Ziele und Maßnahmen:
  • Wir entwickeln das bestehende Tourismuskonzept für die gesamte Grafschaft konsequent weiter
  • Wir bauen die Region gezielt als Fahrradregion aus und schaffen konkrete, buchbare Angebote
  • Wir vermarkten die Grafschaft als gemeinsame Marke – auch grenzüberschreitend
  • Wir stärken Kultur als Erlebnis, vernetzen Angebote stärker und machen sie sichtbarer
  • Wir sichern kulturelle Angebote und Einrichtungen als verlässlichen Bestandteil der regionalen Infrastruktur
  • Wir setzen uns für eine tragfähige, transparente Lösung zur Zukunft der Burg Bentheim ein

Wir entwickeln die bestehende Tourismusstrategie konsequent weiter und richten sie stärker auf Zusammenarbeit aus. Gemeinden, Tourismusorganisationen, Gastronomie, Kultur und Wirtschaft arbeiten enger zusammen. Insellösungen werden abgebaut, Zuständigkeiten klar geregelt und gemeinsame Standards vereinbart. So entsteht ein einheitlicher und wiedererkennbarer - auch digitaler - Auftritt der Grafschaft Bentheim als Gesamtregion.

Ein zentrales Element ist die Verbindung von Radverkehr und öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV). Gute Radwege allein reichen nicht aus, wenn An- und Abreise kompliziert sind. Fahrradfreundliche Bahn- und Busangebote, sichere Abstellmöglichkeiten und abgestimmte Verbindungen ermöglichen flexible Routen und erhöhen die Attraktivität für Gäste und Einheimische gleichermaßen.

Wir setzen stärker auf konkrete, buchbare Angebote statt auf reines Marketing. Dazu entwickeln wir Rad-Pakete für ein Wochenende oder mehrere Tage, die Unterkunft, Routen und Erlebnisangebote miteinander verbinden. Kooperationen mit lokalen Partnern – etwa für Gepäcktransport, Fahrradverleih, Pannenhilfe oder geführte Touren – sorgen dafür, dass diese Angebote alltagstauglich und komfortabel sind.

Tourismus soll stärker zur regionalen Wertschöpfung beitragen. Deshalb machen wir Einkehrmöglichkeiten entlang der Routen sichtbarer und unterstützen gezielt radfreundliche Betriebe. Regionale Produkte, Hofläden und Manufakturen werden stärker in touristische Angebote eingebunden. So bleibt mehr Wertschöpfung in der Region und stärkt lokale Strukturen.

Die Grafschaft Bentheim tritt als gemeinsame Marke auf. Wir nutzen die Nähe zu den Niederlanden gezielt durch zweisprachige Informationen, gemeinsame Routen und abgestimmte Kampagnen. Gleichzeitig unterstützen wir Betriebe dabei, ihre Angebote auch für niederländische Gäste zugänglich zu machen.

Kulturelle Angebote werden besser vernetzt und als Erlebnis sichtbar gemacht. Museen, Industriekultur, Kirchen, Schlösser und regionale Geschichte werden miteinander verbunden und gemeinsam vermarktet. Ziel ist ein ganzjähriges Angebot, das auch außerhalb der Hauptsaison wirkt. Kultur wird stärker in Ferienzeiten und touristische Konzepte integriert und so für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich gemacht.

Um die Sichtbarkeit zu erhöhen, entwickeln wir digitale Angebote weiter. Eine gemeinsame Plattform kann Veranstaltungen bündeln, Angebote auffindbar machen und den Zugang für unterschiedliche Zielgruppen erleichtern.

Gleichzeitig verstehen wir Kultur als verlässlichen Bestandteil der öffentlichen Infrastruktur. Zentrale kulturelle Einrichtungen und Angebote müssen dauerhaft abgesichert sein und dürfen nicht von kurzfristigen Haushaltslagen abhängig gemacht werden.

Die Burg Bentheim ist ein zentrales Wahrzeichen der Region und von herausragender Bedeutung für den Tourismus. Ihr Erhalt liegt im Interesse der gesamten Grafschaft. Gleichzeitig ist sie Privateigentum. Wir setzen uns für eine tragfähige und transparente Lösung ein, die den Erhalt der Burg sichert und ihre Nutzung für die Öffentlichkeit ermöglicht. Öffentliche Unterstützung kann dabei eine Rolle spielen – sie muss jedoch an klare Bedingungen geknüpft sein, nachvollziehbar erfolgen und im Interesse der gesamten Region stehen. Eine Verknüpfung mit anderen, sachfremden Interessen lehnen wir ab. Entscheidungen müssen transparent, fair und am Gemeinwohl orientiert getroffen werden.