Bündnis 90 / Die Grünen in der Grafschaft Bentheim

Grafschaft Bentheim

7. Moderne Verwaltung & nachhaltige Finanzen - handlungsfähig, transparent, zukunftssicher


Eine leistungsfähige Verwaltung ist die Grundlage dafür, dass politische Entscheidungen wirksam umgesetzt werden und im Alltag der Menschen ankommen. Sie ist Dienstleisterin für die Bürger:innen und zugleich zentrale Voraussetzung für einen handlungsfähigen Landkreis.

Wir wollen eine Verwaltung, die zuverlässig funktioniert und gleichzeitig weiterentwickelt wird. Bürgernah, effizient, digital und verlässlich. Eine Verwaltung, die Vertrauen schafft und den Landkreis auch in Zukunft handlungsfähig hält.

7.1 Verwaltung für Bürger:innen – einfach und transparent

Verwaltung ist oft kompliziert, langsam und schwer verständlich. Gerade im ländlichen Raum sind Wege lang und Angebote nicht immer gut erreichbar. Verwaltung muss im Alltag funktionieren – einfach, schnell und nachvollziehbar.

Unsere Ziele und Maßnahmen:
  • Wir schreiben die bestehende Digitalstrategie konsequent fort und entwickeln sie praxisnah weiter
  • Wir setzen das Once-only-Prinzip konsequent um
  • Wir informieren regelmäßig über anstehende politische Entscheidungen
  • Wir stärken die Entscheidungsbefugnisse der Fachausschüsse

Die Digitalisierung der Verwaltung ist kein Projekt mehr, sondern Daueraufgabe. Die vorhandene Strategie wird konsequent weiterentwickelt und stärker an der tatsächlichen Nutzung ausgerichtet. Digitale Angebote müssen einfach funktionieren – gleichzeitig bleibt klar: Wer analog kommunizieren möchte, muss das weiterhin tun können.

Mit dem Once-only-Prinzip reduzieren wir Bürokratie spürbar. Daten, die bereits vorliegen, werden – mit Zustimmung – genutzt. Das spart Zeit und macht Verwaltung effizienter.

Transparenz entsteht nicht durch mehr Dokumente, sondern durch bessere Kommunikation. Deshalb informieren wir künftig über Social Media regelmäßig über die wichtigsten politischen Entscheidungen der kommenden 14 Tage – unabhängig davon, in welchem Ausschuss sie behandelt werden. So wird sichtbar, worüber entschieden wird, bevor Entscheidungen fallen.

Gleichzeitig stärken wir die demokratische Verantwortung der Fachausschüsse. Sie sollen künftig Entscheidungsbefugnisse bis zu einer Summe von 250.000 Euro erhalten. So vermeiden wir unnötige Verlagerungen in den nicht-öffentlichen Kreisausschuss und bringen Entscheidungen dorthin, wo sie fachlich hingehören.

7.2 Verwaltung modernisieren – schneller, nachhaltiger, digitaler

Verwaltung wird oft durch unklare Zuständigkeiten, langsame Prozesse und fehlende personelle Ressourcen ausgebremst. Gleichzeitig steigen die Anforderungen – von Klimaschutz bis Digitalisierung.

Unsere Ziele und Maßnahmen:
  • Wir beschleunigen Genehmigungs- und Entscheidungsprozesse
  • Wir machen die Kreisverwaltung bis 2035 klimaneutral und stärken das Klimaschutzmanagement als zentrale Steuerungseinheit
  • Wir setzen konsequent auf nachhaltige Beschaffung und erhöhen unsere digitale Souveränität
  • Wir sichern attraktive Arbeitsbedingungen und moderne Arbeitsmodelle
  • Wir etablieren professionelle und transparente Auswahlverfahren für Führungskräfte

Schnellere Verfahren entstehen nicht durch mehr Druck, sondern durch bessere Organisation und ausreichende personelle Ausstattung. Klare Zuständigkeiten und eine fachlich fundierte Geschäftsverteilung nach KGSt – wie die Zusammenführung der Bau- und Umweltabteilung in das gleiche Dezernat - sorgen dafür, dass Verfahren nicht zwischen Zuständigkeiten hängen bleiben. Gleichzeitig stärken wir die Verantwortung in den Fachabteilungen, damit Entscheidungen dort getroffen werden, wo die Kompetenz liegt.

Die Kreisverwaltung soll bis 2035 klimaneutral arbeiten. Das umfasst Gebäude, Energieverbrauch und Fuhrpark. Dieses Ziel ist ambitioniert, aber realistisch und wirtschaftlich sinnvoll, weil langfristig Kosten gesenkt werden.

Das Klimaschutzmanagement wird zur zentralen Steuerungsinstanz ausgebaut. Künftig soll es als Stabsstelle organisiert werden und eigenständig Stellungnahmen zu Verwaltungsvorlagen und politischen Anträgen abgeben können. So stellen wir sicher, dass Klimaschutz frühzeitig und verbindlich in Entscheidungen einfließt.

Nachhaltige Beschaffung sorgt dafür, dass ökologische und soziale Kriterien konsequent berücksichtigt werden und der Landkreis seine Marktmacht gezielt nutzt. Digitale Souveränität wird zunehmend zur Frage der Versorgungssicherheit. Deshalb streben wir an, Abhängigkeiten von einzelnen US-amerikanischen Softwareanbietern schrittweise zu reduzieren und setzen verstärkt auf offene, nachhaltige und europäische Lösungen.

Gute Verwaltung braucht gute Mitarbeitende. Attraktive Arbeitsbedingungen sind Voraussetzung, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Dazu gehören flexible Arbeitsmodelle, ein modernes Arbeitsumfeld und klare Entwicklungsperspektiven. Eine langfristige und vorausschauende Personalstrategie ist dabei der Schlüssel, um auf Fachkräftemangel und steigende Anforderungen reagieren zu können.

Führung entscheidet über Erfolg oder Stillstand. Deshalb setzen wir auf transparente, nachvollziehbare und leistungsorientierte Auswahlverfahren – Assessmentcenter - für Führungskräfte.

7.3 Finanzen sichern – priorisieren und Zukunft ermöglichen

Die finanzielle Lage im Landkreis und in den Kommunen ist angespannt. Viele Städte und Gemeinden stehen unter erheblichem Druck, gleichzeitig wird die Kreisumlage als zu hoch wahrgenommen.

Zugleich steigen die Ausgaben des Landkreises – insbesondere in den Bereichen Soziales und Jugend – seit Jahren deutlich an. Diese Entwicklung ist nicht mehr punktuell, sondern strukturell. Sie gefährdet die Handlungsfähigkeit auf allen Ebenen. Es besteht akuter Handlungsbedarf.

Unsere Ziele und Maßnahmen:
  • Wir richten den Haushalt konsequent an Wirkung und Nutzen aus
  • Wir investieren gezielt in Zukunftsbereiche wie Bildung, Digitalisierung und Klimaschutz
  • Wir nutzen Fördermittel strategisch und umfassend
  • Wir überprüfen Beteiligungen regelmäßig und beenden unwirtschaftliche Strukturen
  • Wir sichern stabile Einnahmen durch eine vorausschauende Standortpolitik

Finanzpolitik darf sich nicht in allgemeinen Sparappellen erschöpfen. Entscheidend ist, dort anzusetzen, wo die größten Dynamiken entstehen. Die stärksten Kostensteigerungen liegen in den Bereichen Soziales und Jugend. Genau hier brauchen wir eine systematische und konstruktive Aufgabenkritik – faktenbasiert, differenziert und mit klarem Fokus auf Wirkung. Dazu gehören Leistungsvergleiche und wirkungsorientierte Steuerungsinstrumente.

Wir wollen wissen, welche Maßnahmen tatsächlich wirken und wo Ressourcen effizient eingesetzt werden. Nur so lassen sich Kostenentwicklungen aktiv steuern, ohne pauschal Leistungen zu kürzen. Gleichzeitig ist klar: Diese Instrumente gehören in die Verantwortung der Verwaltung. Politik setzt Ziele und Prioritäten, die operative Steuerung liegt bei der Verwaltung. Wir lassen uns regelmäßig über eingesetzte Managementinstrumente und deren Wirkung informieren und schaffen so Transparenz, ohne operative Verantwortung zu vermischen.

Finanzpolitik ist Gestaltung. Wer nur kürzt, verliert Zukunft. Deshalb setzen wir klare Prioritäten und richten den Haushalt konsequent an Wirkung und Nutzen aus. Mittel werden gezielt dort eingesetzt, wo sie tatsächlich etwas verändern – nicht dort, wo sie historisch gewachsen sind. So schaffen wir eine Finanzpolitik, die nicht nur verwaltet, sondern aktiv steuert und Zukunft ermöglicht.

Fördermittel von Bund, Land und EU sind ein zentraler Hebel. Wer sie strategisch nutzt, schafft zusätzliche Handlungsspielräume, ohne den eigenen Haushalt zu überlasten.

Gleichzeitig prüfen wir konsequent, welche Beteiligungen sinnvoll sind. Strukturen, die keinen klaren Mehrwert bringen, binden Ressourcen und müssen hinterfragt werden.

Eine stabile wirtschaftliche Entwicklung sichert langfristig die Einnahmen des Landkreises. Deshalb denken wir Finanzpolitik immer auch als Standortpolitik.